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Pressetext (Auszug) --> Spiegelonline


Unter dem Titel "Dem Leben hinterher - Fluchtorte jüdischer Verfolgter"
dokumentierte eine kleine, aber überaus sehenswerte Ausstellung in Berlin das dramatische Schicksal des Erich Wolff und anderer jüdischer Verfolgter, die Hitlers Mördern durch den Sprung in die Illegalität entkamen - oder es zumindest versuchten. Allein in Berlin tauchten 1942/43 wohl 5000 bis 7000 Juden ab, versteckten sich irgendwo, irgendwie um dem Abtransport in eines der NS-Vernichtungslager zu entgehen. Unter den geschilderten Fällen sind die von Prominenten wie der Schriftstellerin Inge Deutschkron (die den Anstoß zur Ausstellung gab) oder des Historikers Herbert Strauss (der 1982 Gründungsdirektor des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin wurde) aber auch unbekannte Namen - nicht zuletzt solche, die sich auch durch Abtauchen nicht retten konnten.

Die Fotografinnen Sibylle Baier und Daniela Friebel haben für ihre fotografische Spurensuche ehemalige Verstecke illegal lebender Juden in Berlin und Umgebung gesucht und im Bild festgehalten. 18 davon sind in der Ausstellung zu sehen, teils kontrastiert mit historischen Aufnahmen; der Katalog soll 30 Orte enthalten. Die Verstecke wirken auf den Fotos unspektakulär - bis sie durch die Geschichten dahinter aufgeladen werden wie mit Starkstrom. Es sind Geschichten von ungewöhnlichem Mut und von unfassbarer Tragik, selbstloser Hilfsbereitschaft und feigem Verrat, vom Überleben und oft genug vom Tod. Sie zeigen: Die Geschichte des Mädchens Anne Frank aus dem Hinterhaus der Amsterdamer Prinsengracht 263, deren Tagebuch nach dem Krieg Millionen Deutsche rührte - sie hat sich genau so tausendfach in Deutschland selbst abgespielt, in Berlin, Hamburg oder Köln genauso wie in kleinen Städten und auf dem Land.